Die Bedeutung von christlichen Schule
Die Kirche hat sich nie nur als eine Gemeinschaft zur Erlangung des persönlichen Seelenheils verstanden. In der Mitte der Botschaft von Jesus standen Gottes Reich und Herrschaft. So endet die Bibel auch mit einer Vision, die die Vollendung des öffentlichen und privaten Lebens umschliesst: Die Heilige Stadt, die vom Himmel auf die Erde kommt.
Heute verkörpert die christliche Kirche nur noch wenig Zukunftshoffnung. Sie kümmert sich mehr oder weniger um das Seelenheil, so, wie es andere Religionen auch tun. Geht man aber davon aus, dass der christliche Glaube nicht nur eine Privatsache sondern gesellschaftsrelevant ist, muss die Kirche wieder ‚missionarisch‘ auf die Welt zugehen. (1) Insofern sind christliche Schulen eine Selbstverständlichkeit. Sie müssen sich in unserer säkularisierten abendländischen Kultur neu behaupten und als attraktive Einrichtungen positionieren. Wenn wir davon ausgehen, dass das Evangelium von Jesus Christus eine entscheidende lebensspendende Kraft in sich trägt, müssten christliche Schulen ein Segen für eine Nation sein.
Geschichtlich gesehen hat zwar Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärt und damit die Basis zu einem christlichen Europa gelegt. Gleichzeitig zeigten aber die Religionskriege im 17. Jahrhundert die Grenzen der Verbindung zwischen Religion und Staat auf. Die Aufklärung entmachtete schliesslich die Kirche als Staatsgewalt, Religion wurde zur Privatsache. Damit fielen auch die öffentlichen und die privaten Zukunftshoffnungen der Menschen auseinander. Der missbräuchliche Umgang mit Macht in Form von Kreuzzügen und Religionskriegen führten zu dem seit 300 Jahren andauernden Rückzug der Christen in den privaten Raum und der damit verbundenen Lähmung.
So ist es eine logische Folge, dass unsere multikulturelle Gesellschaft heute andere Werte etabliert und vom Staat verlangt, dass er eine neutrale Haltung einnimmt. Die christlich- abendländische Weltanschauung ist eine von vielen geworden. Wer Religion als Bestandteil einer allgemeinen Bildung sieht, steht rasch unter Verdacht, dass er seine Haltungen missionierend in den Unterricht einfliessen lassen will. Diese Haltung schlägt sich auch in den Lehrplänen nieder. So hat sich etwa der Berner Lehrplan diesbezüglich in den letzten sechzig Jahren grundlegend geändert:

  • 1951: Das Fach Religion heisst „Christliche Religion auf der Grundlage der biblischen Geschichte“ (eine Gegenstimme im Parlament)
  • 1979: Das Fach Christliche Religion wird in das Fach „Religion/Lebenskunde“ umbenannt. Als Begründung wird angegeben, christliche Werte seien gegenüber anderen Glaubensrichtungen intolerant.
  • 1991: Heute heisst das Fach „Natur-Mensch-Mitwelt“ (mit nur einer Gegenstimme im Parlament so gutgeheissen (2)

In verschiedenen anderen Kantonen ist der religiöse Bezug im Unterricht aber nach wie vor eine Selbstverständlichkeit. So hat etwa die Innerschweizer Erziehungsdirektoren-konferenz (IEDK) 1983 in einem Lernziel dieses Anliegen gut auf den Punkt gebracht:
“Die Schule ermöglicht dem Kind die religiöse Dimension des menschlichen Lebens zu erfahren, und steht ihm bei der Integration solcher Erfahrungen in seine Lebensgestaltung bei. Ausgerichtet auf ein christliches Menschenbild, macht sie den Schüler mit den Grundaussagen des christlichen Glaubens vertraut und hilft ihm, eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen.“(3)
Da diese Formulierung Aspekte der Religionseinführung beinhaltet, sprengt sie wohl in Zukunft den Rahmen der öffentlichen Schule, wie sie mit der Umsetzung von Harmos geplant ist. Ein Religionsverständnis, das auch in Zukunft für Menschen mit religiöser Ausrichtung leitend sein könnte, hat Martin Buber prägnant formuliert:
“Religiöse Erziehung darf nicht als eine ‘Erziehung zum Glauben’ verstanden werden, wenn Glaube nicht eine blosse Überzeugung und Gewissheit bedeutet, dass etwas ist, sondern ein ‘Sich-an-etwas-Binden’ meint. Dieses Wagnis kann nur jeder für sich selbst eingehen, mit seiner eigenen Person. Wohl aber kann einer, der in solcher Verbundenheit steht, einem anderen das Gesicht des wirklichen Glaubens zeigen -er zeigt es ihm in sich selbst, in seiner Person und in seinem Leben, indem er in jedem Augenblick, so gut er es vermag, diese Verbundenheit lebt.“(4)
Damit wird klar, dass es nicht nur um weltanschauliche Fragen gehen kann, sondern dass eine Bezogenheit im Zentrum steht. Auch wir als SalZH vertreten die Ansicht, dass Lehrer nicht einfach ihren Glauben vermitteln, sondern dass sie aus ihrem Glauben heraus Kraft und Zuversicht für ihre pädagogische Tätigkeit schöpfen. Dabei kann es auch um Inhalte und Wertanbindungen gehen. Gerade in der Frage, wie solche Wertvorstellungen eingebracht werden sollen, setzt der Lehrplan des Kantons Zürich einen hilfreichen Rahmen, der auch unserer Überzeugung entspricht:
“Der Erziehungs-und der Bildungsauftrag werden im Unterricht nicht getrennt, sondern beide Ziele werden bewusst gemeinsam angestrebt. Dadurch, dass Lehrpersonen bereit sind, ihre Werthaltungen offen darzulegen, kann das Bedürfnis nach Wertorientierung geweckt werden. Gleichermassen haben die Lehrkräfte an den öffentlichen Schulen jedoch die Pflicht, bei der Besprechung kontroverser Fragen auch andere Sichtweisen und Wertungen aufzuzeigen.“(5)
Für Lehrpersonen, egal mit welchem Hintergrund, sollte diese Formulierung für den Umgang mit religiösen wie auch mit kontroversen Themen handlungsleitend sein. Dies ermöglicht einen fairen und ausgewogenen Umgang in einer Gesellschaft, die den wertschätzenden Zusammenhalt nötig hat.
Im Mitarbeitercodex der Privatschule SalZH haben wir den Umgang mit religiösen Themen wie folgt formuliert:
„Die biblische Glaubenslehre erfolgt im Rahmen des Lehrplans und basiert auf dem von allen westlichen Kirchen anerkannten Apostolischen Glaubensbekenntnis. In den Fächern ‚Biblische Geschichte’, Leben und Glauben und ‚Quellenstunde’ thematisieren wir stufenspezifisch und alltagsbezogen biblische Feste und Inhalte. Texte der Bibel werden u.a. als Unterrichtsbestandteil verwendet: z.B. als Diskussionsgrundlage, Lerntexte, Studium etc. Im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte verstehen wir die Bibel als sinngebendes und nicht als wissenschaftliches Buch. Biblische Glaubensaussagen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.“(6)

Das Erbe der heutigen christlichen Schulen
Christliche Schulen haben eine lange, segensreiche Geschichte. Ob es die Schulen der frühen Christenheit, die Schulen der Reformation oder die Missionsschulen in aller Welt waren, immer und überall war es für Christen selbstverständlich, ihren Kindern eine gute Bildung angedeihen zu lassen und diese auch Andersdenkenden zu ermöglichen. Leider sind viele der früher christlichen Schulen durch den zunehmenden Einfluss der Bibelkritik und des Humanismus in den Kirchen von ihrem ursprünglichen Kurs abgerückt und tragen oft nur noch den Namen einer christlichen Ausrichtung.
Bedeutende Pädagogen, die unser europäisches Bildungssystem wesentlich geprägt und vorangebracht haben, arbeiteten aus einer tiefen Glaubensüberzeugung heraus. So verfasste etwa Jan Amos Comenius (1592-1670) die erste systematische Didaktik der Neuzeit und begründete die Didaktik damit als eigenständige Disziplin. Sein Buch Didactica magna [Die große Lehrkunst(-wissenschaft)] veröffentlichte er mit dem Postulat: Omnes, omnia, omnino: Man kann alle Menschen alle Dinge der Welt in grundlegender Weise lehren. Comenius war davon überzeugt, dass es eine natürliche Form des Unterrichtens gebe, die man herausfinden könne, wenn man sich gründlich mit dem Bauplan der Natur auseinandersetzt. Dies führte ihn zur Formulierung von – modern gesprochen – didaktischen, lerntheoretischen und bildungspolitischen Prinzipien, die heute noch Gültigkeit haben: allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen, Muttersprache als Basis des Unterrichts, enge Beziehung von Handlung, Bild und Wort im Lernprozess, Anordnung des Lehrstoffs nach den Grundsätzen der Lernbarkeit, Einteilung der Schüler in Lerngruppen und Stufung der Schule und des Lehrplans. Comenius Werk: Orbis sensualium pictus (Die sichtbare Welt; Nürnberg 1658) ist das erste europäische Schulbuch, ein Lehrmedium mit Texten und Bildern.
Einen weiteren bedeutungsvollen Beitrag für die Didaktik leistete August Hermann Francke (1663-1727). Aus seiner pietistischen Glaubenshaltung heraus und angesichts des materiellen Elends des Volkes nach dem 30-jährigen Krieg gab er dem Lernen eine beruflich-realistische Wendung ins Nützliche. Modern gesprochen: Francke stellte eine Verbindung von Lernen und Qualifikation her. Die Didaktik erhielt durch ihn eine gesellschaftliche Dimension.
Es ist nicht weiter erstaunlich, dass der christliche Glaube so bedeutende Pädagogen hervorgebracht hat. Die Bibel hat durchaus einen Erziehungsanspruch und der Stellenwert der Familie für die Heranwachsenden zieht sich durch die ganze Bibel hindurch. Die schulische Bildung stellt sich dabei ergänzend in den biblischen Auftrag mit hinein, so wie beispielsweise Paulus ihn beschreibt:
„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung [oder: Erziehung], zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen ist, zu jedem guten Werk völlig ausgebildet“. (2.Tim. 3,16-17) Dass es hier auch um die praktische Aufgabe der Erziehung der nächsten Generation geht, machen die Verse vorher deutlich: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von klein auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Jesus Christus ist“ (2.Tim. 3,14-15).

Das Recht des Kindes auf Religion
Das Wohl des Kindes steht heute immer mehr im Zentrum. Bei Scheidungen steht das Wohl des Kindes oft über dem Anspruch der Eltern. Das Wohl des Kindes wird auch oft gegen die Religion ins Feld geführt weil die religiöse Erziehung immer wieder in Zusammenhang mit dem Kindsmissbrauch in Verbindung gebracht wird. Es gibt Gerichte, die die Beschneidung als „irreparabler Eingriff“ verurteilen, weil das Kind später nicht mehr über die Religionszugehörigkeit frei entscheiden kann.
Zu den Kernanliegen der Kinderrechtskonventionen der Vereinten Nationen 1989 gehört die Gewährleistung der Religionsfreiheit des Kindes. In den beiden Artikeln und in. Die beiden Artikel 14,1 („die Vertragsstaaten achten auf das Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit.“) und 14,2 („dass die Eltern das Kind bei der Ausübung dieses Rechtes in seiner Entwicklung entsprechender Weise zu leiten“) machen deutlich, dass die Religionsfreiheit nicht ohne sondern durch die religiöse Erziehung der Eltern erreicht werden soll. Ein religionsfriere Raum bringt als keine Religionsfreiheit hervor. (7)
Aus entwicklungspsychologischer Sicht wird deutlich, dass die Religion auf wichtige Lebensfragen von Kinder antworten kann und sollte. Erschüttertes Grundvertrauen, fehlende Liebe, wie es bei Scheidungen (oder Kriegen) vorkommt, macht ein Kind krank. Die erste Frage jedes Kindes: „Gibt es in dieser Welt ein Liebe auf die ich mich verlassen kann?“. Die zweite Frage hat mit dem Ende des Lebens zu tun. „Wo ist meine Grossmutter jetzt?“ Für das Kind ist entscheiden zu wissen, ob sie im Himmel und glücklich ist. Die dritte Frage ist die Frage nach Gott selber. Wo wohnt Gott? Kann Gott mich sehen? Kann Gott sprechen? Kinder sind schon früh auf kompetente Gesprächspartner für diese Lebensfragen idealerweise auch ausserhalb des Elternhauses angewiesen.

Grundlagen einer christlichen Pädagogik

a) Das christliche Menschenbild
„Ein Großteil der Erziehung beschäftigt sich damit, Menschen zu helfen, zu wissen, was ihre Lehrer wissen. Christliche Erziehung beschäftigt sich damit, Menschen zu helfen, zu werden, wie ihre Lehrer sind.“ Lawrence O. Richards
Im christlichen Menschenbild wird der Mensch als Geschöpf verstanden, das zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Erde herausgefordert ist. Er ist einzigartig, hat individuelle Begabungen und einen unverwechselbaren Charakter. Um diese Einzigartigkeit zu entfalten, braucht das Kind Anleitung, muss Fähigkeiten erlernen und ein Verständnis für komplexe Zusammenhänge entwickeln. Sein Denken, sein Charakter und seine physischen Fertigkeiten werden dadurch verfeinert. Gleichzeitig wird deutlich, dass die letzte Quelle der Weisheit ausserhalb seiner selbst liegt. Der Gottesbezug gehört für jede christliche Schule zu einem umfassenden Menschenbild dazu. Bildung findet darum nicht in einem werteneutralen Raum statt, sondern die christliche Weltanschauung dient als Orientierung. Vor diesem Hintergrund lassen sich wissenschaftliche, philosophische und praxisbezogene Fragestellungen reflektieren und differenzierte Schlussfolgerungen ziehen.

b) Christliche Werte
Werte sind Orientierungshilfen im Zusammenleben von Menschen und im Umgang mit sich selbst und der Umwelt. Christliche Schulen berufen sich explizit auf eine biblische Wertebasis und formulieren die für sie entscheidenden Punkte aus. Das Handeln kann so immer wieder überprüft werden.
Eine wertfreie, ’neutrale‘ Erziehung gibt es nicht. Wer seinen Kinder nicht aktiv die Bibel und ihre Werte vermittelt, sondern sie in Bezug auf den christlichen Glauben ’neutral‘ erziehen möchte, damit sie sich später einmal ’selbst entscheiden können‘, hat ihnen damit in den prägenden Jahren ihres Lebens ebenfalls eine Weltanschauung vermittelt. Sie lernen, dass der christliche Glaube nicht wirklich von entscheidender Bedeutung und für alle Menschen das Beste ist. Es ist gar nicht möglich, Kinder ‚wertfrei‘ auf einer staatlichen Schule erziehen zu lassen. Jede Erziehung ist auf ein bestimmtes ethisches Ideal ausgerichtet und beruht auf einem bestimmten Menschenbild. Auch wenn es nicht explizit ausformuliert ist, so wird doch auf dieses Bild hin erzogen. Die Wahrnehmung des biblischen Erziehungsauftrags bedeutet, seine Kinder nicht nach einer anderen Weltanschauung wie z. B. dem Humanismus erziehen zu lassen, sondern ihnen in diesen entscheidenden Jahren die biblische Ethik zu vermitteln.
Die christlichen Werte definieren das Ziel der Bildung: Die Kinder und Jugendlichen sollen befähigt werden, ihr individuelles Potenzial zu entfalten. Dabei steht neben der persönlichen Lebensgestaltung immer auch der Beitrag für das Gemeinwohl im Fokus. Sinnvolles, gewinnbringendes Leben ist immer verknüpft mit dem Wohlergehen der uns umgebenden Menschen. Darum sind Beziehungen in allen Dimensionen zentral. Für die SalZH gelten beispielsweise folgende vier Kernwerte:
1. Ehrfurcht vor dem Leben: Jedes Leben ist von Gott gewollt und wertvoll. Unsere Schüler entwickeln eine positive Lebensperspektive und verfolgen diese mit Leistungsbereitschaft und Durchhaltewillen. Dieser Wert wird praktisch, wenn wir uns mit Naturphänomenen auseinandersetzen, Tiere aufziehen oder gelingende Lebensgeschichten kennen lernen.
2. Jeder Mensch ist einmalig: Auch jeder Schüler hat eine einzigartige und freie Persönlichkeit, individuelle Charaktereigenschaften, Gaben und Fähigkeiten. Sichtbar wird dieser Wert, wenn wir unsere Schüler bei der Entfaltung seiner Stärken unterstützen, und sie einander erfahrbar machen.
3. Beziehungsfähigkeit: Beziehung ist ein Grundbedürfnis und eine sinnstiftende Bereicherung des Lebens. Unsere Schüler lernen, gute Beziehungen zu schätzen und zu gestalten. Im Schulalltag wird dieser Wert erfahrbar, indem wir respektvoll und achtsam miteinander umgehen, dem Klassenleben grossen Wert beimessen und Konflikte aktiv angehen.
4. Verantwortung: Verantwortung für uns und für unsere Umgebung zu übernehmen, ist ein zentraler Wert. Als Teil der Gesellschaft leisten wir alle einen wichtigen Beitrag zu einer lebenswerten Welt. Wir leben diesen Wert beim eigenverantwortlichen Lernen, in gemeinsamen Projekten, im vernetzten Lernen auf dem Bauernhof, usw.
Aus diesen vier Werten lassen sich konkrete Massnahmen für Unterricht ableiten und begründen.
Erziehung und Bildung sind also nie wertneutral. Eine sorgfältige Ausarbeitung der jeweils relevanten Werte einer Schule macht die dahinterliegende Weltanschauung transparent. Im Beispiel der SalZH bildet das apostolische Glaubensbekenntnis der Kirchen den theologischen Bezugsrahmen. Damit beschränkt sie sich auf die Basis des christlichen Glaubens und Streitfragen zu religiösen Details haben keine Bedeutung. Im Zentrum steht der lebendige Glaube der Lehrpersonen und Mitarbeitenden, Liturgien oder kirchlich-religiöse Rituale fehlen weitgehend. Die Unterrichtenden verstehen sogar sich selbst in Glaubensfragen weiterhin als Lernende. Dieser Bezugsrahmen schafft Klarheit und Sicherheit. Wer seine Grundlagen kennt und benennen kann, hat auch die Freiheit, sich mit ganz neuen Lerninhalten und mit anderen Weltanschauungen angstfrei auseinander zu setzen.

c) Ganzheitlichkeit
Die Aufklärung ging in Europa Hand in Hand mit einer Aufspaltung von Denken und Handeln, die der Bibel fremd ist. Welchen Lebensstil ein Universitätsprofessor pflegt oder was seinen Charakter auszeichnet, ist für seine wissenschaftlichen Leistungen seit der Aufklärung unwichtig.
Im Bildungsbereich fehlt die heute so häufig zitierte Ganzheitlichkeit oft. Die christlichen Eltern erziehen den Charakter des Kindes, die Kirche oder Gemeinde bringt ihnen biblisches Wissen bei und die Schule vermittelt ihnen ihre Bildung. Ob Eltern, Kirche und Schule dabei dieselben Maßstäbe anlegen, wird oft nicht näher untersucht. In der Bibel liegt jedoch der umfassende Erziehungsauftrag ganzheitlich bei den Eltern. Sie haben ihren Kindern biblisches Wissen zu vermitteln. Eine christliche Schule ist nur in enger Zusammenarbeit mit den Eltern denkbar.
Erziehung umfasst alle Handlungen, mit welchen der Erziehende auf das Kind einwirkt. Im Hebräischen ist das Wort ‚erziehen’ gleichbedeutend mit dem Begriff ‚den Gaumen berühren’. Damit der Säugling selber schluckt, also essen lernt, berührt die Mutter seinen Gaumen. Das Wortbild veranschaulicht den tiefsten Kern von Erziehung, die immer Befähigung meint: Sie ermuntert dazu, die Dinge selber zu tun. Erziehung strebt die mündige Eigenständigkeit an und will das Kind schliesslich in die Freiheit entlassen. Diese Freiheit ist die Voraussetzung dafür, dass sich das Kind zu einer verantwortungsbewussten Person entwickeln kann.
Ganzheitlichkeit meint also die Übereinstimmung von Leben und Lerninhalten sowohl beim Kind als auch beim Unterrichtenden. Wissen, Handeln und Herzenshaltung stehen in einer inneren Verbindung zueinander.
Kinder werden in der Schule nicht nur von dem eigentlichen Lehrplan geprägt, der vorschreibt, welcher Stoff vermittelt werden soll. Mindestens ebenso prägend ist der sogenannte ‚zweite‘ oder ‚heimliche‘ Lehrplan: Der Umgang von Lehrern und Schülern und der Schüler miteinander. Wie löst man Probleme? Wie reagiert man, wenn einer ein Außenseiter ist? Wie spricht man mit Menschen, die andere Auffassungen vertreten? Was zählt, um von Klassenkameraden anerkannt zu werden? Was ist wirklich wichtig im Leben? Muss ich mir selbst Grenzen setzen, wenn andere sonst Schaden nehmen? Solche und viele andere Fragen werden meist nicht im Unterricht, sondern auf dem Schulhof beantwortet.
An vielen Schulen wird die Art und Weise, wie Schüler und Lehrer miteinander und Schüler untereinander umgehen, längst nicht mehr von erzieherischen Grundsätzen und hohen Idealen geleitet, sondern vom Gesetz des Stärkeren. Da dieser ‚heimliche Lehrplan‘ ebenso von der christlichen Erziehung erfasst wird wie der offizielle Lehrplan, sind christliche Schulen unentbehrlich.

d) Familienverständnis
Ganzheitlichkeit zeigt sich auch im Familienverständnis. Christliche Schulen und Eltern suchen eine innere Übereinstimmung der Bildungsziele. Die Eltern delegieren die Bildung ihrer Kinder als einen Teil der Erziehung an die Schule. Eine wesentliche Voraussetzung für den schulischen Erfolg sind eine gute Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen dem Elternhaus und der Schule. Das heisst auch, dass die Eltern die Arbeit und Massnahmen der Lehrpersonen mittragen. Für die Kinder ist es entscheidend, dass die Eltern und die Lehrpersonen zum Wohle des Kindes am selben Strick ziehen. Der Bildungsauftrag der Schule geht über die Wissensvermittlung und Förderung intellektueller Fähigkeiten hinaus. Bilden heisst eben auch Motivieren, Ausdauer trainieren, Stärken und Schwächen beachten und den Umgang mit Rückschlägen gewinnbringend zu verarbeiten lernen.
Die gesellschaftliche Entwicklung zeigt diesbezüglich einen anderen Trend. Die Familie wird zunehmend entmachtet und ihrer wesentlichen Funktionen beraubt. Von ihren grundsätzlichen Aufgaben wie der Gestaltung der Wirtschaft, der Bildung und des Wohlergehens der Gemeinschaft sind ihr nur Fragmente verblieben. Die Trennung von Arbeitsplatz und Familie, die zunehmende rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung nichtehelicher Lebensformen oder die Heimabsonderung von Kranken, Alten und Behinderten sind nur einige Aspekte, durch welche die eigentlichen Aufgaben der Familie untergraben werden. Die Familie ist jedoch Gottes Schöpfung, um die Erziehung der Kinder zu begleiten und sicherzustellen. So soll die junge Generation von ihren erwachsenen Vorbildern lernen, wie biblische Maßstäbe zum Wohle aller in einer Gesellschaft gelebt werden können. Gerade deshalb sollten Christen sich nicht freiwillig aus den Bereichen zurückziehen, die Gott ihnen eigentlich zur Gestaltung übertragen hat und sich nicht scheuen, durch die Gründung christlicher Schulen ‚Bildungspolitik‘ aktiv mitzugestalten.
Die Volksschule ist eine Form von Bildungssozialismus, der jede Konkurrenz in der Bildung ausschalten und die gesamte Bildung unter die Kontrolle des Staates bringen will. Plato hat das klar so formuliert: „Der Idealstaat ist also Ordnungs- und Erziehungsmittel in einem; er hat nicht nur unbedingte Verfügungsgewalt über alle Güter, sondern auch über das Leben der Bürger, und er kontrolliert nicht nur das politische, sondern auch das geistige Geschehen bis in alle Einzelheiten. Insbesondere hat die Erziehung der Jugend unter strengster staatlicher Aufsicht und Leitung zu erfolgen.“ Seine Ansichten haben bis heute Einfluss. Die Aufklärung hat denselben Gedanken ebenfalls weiterentwickelt. Im Französischen Lexikon wird folgende Erklärung gegeben: „Der absolutistische Staat der Aufklärung war daran interessiert, alle Bereiche, die bisher von der Kirche eingenommen wurden, in den Rahmen der staatlichen Verwaltung zu ziehen, das heißt, der Staat forderte das Monopol über alle bisher von der Kirche wahrgenommenen Aufgaben in sozialen, wirtschaftlichen, bildungsmäßigen Bereichen, er versuchte aber auch die öffentliche Meinung, die er bisher zusammen mit der Kirche beherrscht hatte, unter seinen ausschließlichen Einfluss zu bringen.“

e) Christliche Schule: Ghetto oder Lösung?
Kapseln sich Christen von der Welt ab, wenn sie ihre Kinder auf christliche Schulen schicken? Sind die Kinder später in der Lage in der rauen Wirklichkeit zu bestehen?
Christliche Schulen müssen auch Wissensstoff vermitteln, der vom christlichen Standpunkt aus zu hinterfragen oder sogar abzulehnen ist. Das gehört zu den Grundvoraussetzungen, um es den Kindern zu ermöglichen, sich in einer immer komplizierteren Welt zurechtzufinden. Aber gerade dieses Wissen muss gewertet werden können. Die Kinder müssen einen Maßstab erhalten, mit dessen Hilfe sie die Dinge nicht nur verstehen, sondern auch bewerten können.
Eine Gefahr besteht beispielsweise, wenn die Schule die Schöpfungsgeschichte als einzige Wahrheit darstellt und der naturwissenschaftlichen Leistungen im Zusammenhang mit der Evolutionstheorie keinen Respekt entgegenbringt. Ebenso falsch wäre die kritiklose Darstellung der Evolutionstheorie. Eine weitere Gefährdung besteht darin, wenn „nichtchristliches“ Wissen (Literatur) vom Unterricht ausgeschlossen wird.
Wer das, was unsere Kultur ausmacht, nur wertet, indem er es verschweigt, aber diese Wertungen nicht erläutert, muss sich den Vorwurf des Ghettos durchaus gefallen lassen.
Kinder sind mit 7 Jahren noch keine Missionare, die in der öffentlichen Schule ihren Glauben bezeugen müssen. Kinder und Jugendliche brauchen vielmehr zunächst Geborgenheit, liebevolle Führung, feste Fundamente und das Wissen, dass sie mit ihrer Weltanschauung nicht alleine dastehen, bevor sie sich mit Themen wie Bibelkritik, Evolutionstheorien oder nichtchristlicher Sexualaufklärung auseinandersetzen können. Der Wertepluralismus öffentlicher Schulen, in denen die Existenzberechtigung einer christlichen Meinung überhaupt erst erstritten werden muss, verunsichert und verwirrt Kinder. Sie erzieht dazu, sich allem anzupassen und überall mitreden zu können, nicht aber dazu, eine selbständige Position zu beziehen.
Durch den Erziehungsnotstand in der heutigen Gesellschaft wird der Druck auf die Volksschulen immer offensichtlicher. Damit ist eine Privatschule für immer mehr Eltern – auch solche mit nichtchristlichem Hintergrund – eine Alternative. Nicht zuletzt steht dahinter der Wunsch, dass ihrem Kind Wissen vermittelt wird und es nicht nur zum Spielball politischer Bildungsinteressen wird.
Die Motivation für die Gründung der Staatsschulen vor 150 Jahren war die Forderung nach „Bildung für Alle“. Dieser Auftrag wurde umgesetzt und ist eine der grössten Errungenschaften unserer modernen Demokratien. Der Staat kann allerdings durch sein Bildungsmonopol genauso wenig einen hohen Bildungsstandard garantieren (Bildungssozialismus) wie durch die Kontrolle der Wirtschaft Wohlstand für alle garantiert ist (Wirtschaftssozialismus). Diese Ausgangslage ermöglicht es heute, Schulalternativen auf christlicher Grundlage zu lancieren. Mit ihrem soliden Angebot sind sie sowohl für Christen als auch Familien mit anderen Weltanschauungen eine ernstzunehmende Grösse in der Bildungslandschaft geworden.

f) Es lohnt sich!
David aus dem Alten Testament war ein Jüngling. Joas war sieben Jahre als er König von Juda wurde. Beide angehenden Könige wurden schon sehr früh von Priestern gut auf ihre Aufgabe vorbereitet, so dass sie eine erfolgreiche und gottgefällige Regentschaft ausüben konnten. Wer weiss, ob in unserer Mitte auch Kinder sind, die eine ähnlich grosse Aufgabe vor sich haben und durch uns in der Gegenwart Gottes heranwachsen können und so gute Grundlagen für ihre Aufgabe erhalten?
Als Pädagogen säen wir und sehen vielleicht die Ernte nie. Dennoch lohnt es sich, alles für die uns anvertrauten Kinder zu geben. Paulus schrieb viele seiner Briefe in Gefangenschaft und ohne je viel Frucht von seinen Bemühungen und Entbehrungen zu sehen. Dabei werden seine Briefe seit 2000 Jahren zum Segen vieler Millionen Menschen gelesen. Nehmen wir ihn uns zum Vorbild.

Literaturverzeichnis:
1) Salz der Erde, L. Newbigin, S.43
2) Daniel Kummer
3) Leitideen für die Volksschule
4) Ventur, B.: Martin Bubers pädagogisches Denken und Handeln. Neukirchener, 2003
5) Lehrplan Kanton Zürich von 1990 S.18, Didaktische Bemerkungen
6) Mitarbeitercodex Stiftung SalZH
7) Schweizer, Das Recht des Kindes auf Religion, 2013
8) Teilweise Abdruck aus Bibel und Gemeinde 96 (1996), S. 101-115 Dr. Th. Schirrmacher

Genehmigt 30.10.14

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