Lehrermangel als Herausforderung für christliche Schulen
Christliche Schulen nehmen für sich in Anspruch, ihre Schülerinnen und Schüler
besonders sorgfältig auszubilden und ihnen christliche Werte zum Aufbau ihrer
Persönlichkeit mitzugeben. Wir stehen in Konkurrenz zur Staatsschule und anderen
Privatschulen und müssen uns von ihnen abheben.
Dafür brauchen wir engagierte und kompetente Lehrkräfte, die ein starkes Team
bilden und gemeinsam für ihre Schülerinnen und Schüler das Beste geben. Eine
Schule ist so stark wie ihr Lehrerteam. Dieses sorgt für die Qualität der Ausbildung
und ermöglicht die Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler und ihrer
Eltern und dadurch eine positive Ausstrahlung der Schule.
Der Mangel an ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern fordert sowohl die Staatsschule,
als auch die christlichen Privatschulen heraus. Schulgemeinden ködern
mit Prämien und werben sich gegenseitig die Lehrkräfte ab. Kantone erhöhen die
Lohnsummen, um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. So titelt
Jürg Ackermann seinen Artikel im „Tagesanzeiger“ vom 21.02.2011: „Die erhöhten
Zürcher Lehrerlöhne setzen Nachbarkantone unter Druck: Seit bekannt ist,
dass Zürich die Einstiegslöhne für Primarlehrer auf 90’000 Franken erhöht, bangen
die benachbarten Kantone um ihre Pädagogen.“
Als christliche Schulen sind wir ebenfalls von dieser Entwicklung betroffen. Auch
wir unternehmen grosse Anstrengungen, um mit unserer Lohnpolitik konkurrenzfähig
zu bleiben. Dennoch ist klar: In den christlichen Schulen ist nicht das grosse
Geld zu holen. Womit aber können wir punkten? Wie schaffen wir es, dass unsere
Schulen attraktive Arbeitsorte sind und Lehrerinnen und Lehrer gerne und
lange bei uns arbeiten?
Eine nicht repräsentative Umfrage im Lehrerteam der SalZH zeigt einige interessante
Aspekte auf. Auf die Frage, was sie an ihrer Schule schätzen, nannten die
Lehrpersonen folgende Punkte:
• Das Kollegium steht auf der gleichen Grundlage, die gemeinsame christliche
Ausrichtung wird geschätzt. Werte können gelebt werden.
• Das Gebet spielt eine tragende Rolle.
• Lehrer sind als Menschen gefragt, so wie sie sind, ohne Anspruch auf Perfektion,
aber mit Raum für persönliche Entwicklung.
• Es herrscht ein Klima der Offenheit und Unterstützung, das Möglichkeiten für
Experimente und neue Ideen eröffnet.
• Pädagogische Projekte können leichter entwickelt und umgesetzt werden.
• Neben der Stoffvermittlung bleibt Zeit für die Förderung und Freisetzung der
Schülerinnen und Schüler.
• Die SalZH ist eine familienfreundliche Arbeitgeberin, die flexibel auf die persönlichen
Umstände reagieren kann.
Daraus lassen sich einige Folgerungen für Verantwortliche und Teammitglieder
an christlichen Privatschulen ableiten:
– Es lohnt sich, die gemeinsamen Werte und die Vision zu klären. Die
sorgfältige Arbeit an unseren Leitbildern festigt immer wieder die Grundlage.
Wenn wir als Team darin verwurzelt sind, werden wir befähigt, auf die
Vision hinzuleben. Dadurch erleben wir unseren Beruf als Berufung, was
die Voraussetzung für Zufriedenheit und Erfüllung schafft.
– Vision ist keine abstrakte, theoretische Angelegenheit, sondern soll innerhalb
von definierten Gefässen gelebt und eingeübt werden. Regelmässige
Gebetszeiten, Teamretraiten und Teamabende geben Raum für praktisches
Einüben, Klärung und Festigung unseres Fundamentes.
– Attraktiv bleiben wir, wenn unsere Lehrpersonen in ihrer Kompetenz gestärkt
werden, sie vertrauensvoll Raum für persönliche und berufliche
Entwicklung erhalten und sie sich mit ihrer ganzen Person in die Schule
einbringen können. Gegenseitige Unterstützung, eine Kultur des aufbauenden
kollegialen Feedbacks ist ein Schritt dazu.
– Der Lehrerberuf hat den Nachteil, ein Sackgassenberuf zu sein, der keine
berufliche Veränderung vorsieht. Hier können wir eine Gegenkultur aufbauen
und Perspektiven zur Weiterbildung aufzeigen, beispielsweise
mit Spezialisierungen des Profils. Nicht jede Lehrperson muss ein Allrounder
sein. Ausserdem bietet eine Privatschule ihren Lehrpersonen die Möglichkeit,
sich in neue Bereiche wie etwa der Elternbildung, Erziehungsberatung,
Coaching oder Freizeitanimation vorzuwagen.
– Gegenseitige Wertschätzung schafft ein Klima der Annahme. Wo Fehler
gemacht werden dürfen, wo Experimente auch mal schief gehen können,
entsteht ein freier Lebens-Raum, in dem sich unsere kreativen und originellen
Lehrpersonen wohlfühlen.
– Die Arbeit mit unseren Schülerinnen und Schülern ist die Kernaufgabe und
die Grundmotivation der Pädagoginnen und Pädagogen. Wenn wir uns immer
wieder darauf fokussieren und die zeitfressenden organisatorischen
Beanspruchungen minimieren, steigt die Berufszufriedenheit.
– Und zu guter Letzt sind wir als Arbeitgeber gefragt, um den Lehrpersonen
die Kombination von Familie und Beruf optimal zu ermöglichen. Finden wir
in den verschiedenen Lebensphasen flexible Arbeitszeitmodelle, die
entlastend sind, werden wir mit langjährigen, treuen Mitarbeitern belohnt.
Hier sind wir als christliche Schulen gefragt, weiter zu denken, unsere Erfahrungen
und Erfolgsgeschichten auszutauschen und neue Wege zu gehen. Um als
wachsende Schulbewegung in der Zukunft bestehen zu können, ist es von zentraler
Bedeutung, dass wir für die besten Lehrer als Arbeitsort anziehend sind.
08.03.11 Lukas Bär