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Bildungssymposium in Leysin

Erstmals fand das Symposium in einem Hotel statt, was verschiedene Annehmlichkeiten mit sich brachte: Veranstaltungen, Essen und Schlafen fanden alle im gleichen Haus statt, und niemand musste sich ums Kochen, Tischen und Abwaschen kümmern. Dank des Termins ausserhalb der Saison war auch der Preis angenehm günstig – und dennoch das Essen ausserordentlich gut. Die einzige Kehrseite war für gewisse Deutschschweizer die 4 bis 5 stündige Anfahrtszeit, was leider einige von der Teilnahme abhielt.

Angefangen wurde mit dem Mittagessen und einer anschliessenden gemeinsamen Zeit vor Gott, angeleitet von einer jungen Band von ehemaligen Schülern der école Timothée aus Genf.
Laurent Joly, Pastor und Vorstandsmitglied von „instruire.ch“, leitete in das Thema „Chancen und Herausforderungen von christlichen Schulen“ ein, indem er an Maleachi 3:16-18 erinnerte: Man wird den Unterschied sehen zwischen jenen, die Gott gehorchen und den Andern. Das ist zwar vordergründig nicht leicht zu erkennen, denn die „Andern“ haben alles, während die christlichen Schulen immer um ihre Finanzen kämpfen müssen; aber unsere Arbeit hat Ewigkeits-Charakter. Maleachi lädt uns ein, die Sache aus Gottes Sicht zu sehen. Wie können wir bewirken, dass unsere Schulen wachsen? Auf Gott hören und nicht aufgeben. Darauf wurden Gruppen aus je einer deutschsprachigen und einer französischsprachigen Schule gebildet, um sich gegenseitig vorzustellen und von ihren Chancen und Herausforderungen zu erzählen. Während die einen sich in ihren Deutsch- und Französischkenntnissen übten, einigten sich andere auf Englisch als gemeinsame Sprache. So direkt voneinander zu hören, war echt ermutigend.

Für den zweiten Teil des Nachmittags konnte man wählen zwischen sportlichen, sozialen und pädagogischen Angeboten: Spazieren, schwimmen, spielen oder diskutieren. Französisch ist doch eine schöne Sprache! Aber anstrengend, wenn man nicht geübt ist!

Nach dem Abendessen ging es um das Thema „Leid überwinden“:
Emilienne Mukarusagara erzählte von ihrer schlimmen Erfahrung während des Genozids in Ruanda – und der befreienden Erfahrung der Vergebung. Guillaume Bousquet aus dem Elsass erzählte als Vater von fünf Kindern vom viel zu frühen Tod seiner Frau und der Erfahrung, dass „Segen“ nicht heisst, dass wir alles haben, was wir uns wünschen, sondern dass wir ins Bild von Jesus verwandelt werden.

Der Samstag begann – nach einem reichhaltigen Frühstückbuffet – wiederum mit einer gemeinsamen Zeit vor Gott, mit Liedern auf Französisch und auf Deutsch. Anschliessend hatten drei Redner je 20 Minuten Zeit für ein Referat:

Guillaume Bousquet sprach zum Thema „Différenciation pédagogique ou lois universelles d’apprentissages ?“ – Pädagogische Differenzierung oder universelle Lerngesetze? Er zeigte zuerst eine Galerie von Pädagogen der letzten 100 Jahre, die unterschiedliche Ansätze der Pädgogik vertreten und uns beeinflusst haben – von R.W. Burns über Maria Montessori bis Céline Alvarez und Luc Bussière. Er beschrieb das Menschenbild und mit ihm die Pädagogik als das Fundament des Hauses. Das Ziel – Diener an Gott und den Menschen heranzubilden – ist bekannt. Nun fehlt noch die Bauarbeit – die Umsetzung der Pädagogik auf das Ziel hin (franz. „la transmission“).

Luc Bussière sprach über die „Transmission“ (die pädagogische Praxis / die Umsetzung): Welche Inhalte haben wir zu vermitteln? In den säkularen Schulen gibt es keinen Bund, keine Geschichte mit Gott, die vermittelt wird. Darin sind die christlichen Schulen in einer privilegierten Situation. Wir sind aufgerufen, den Bund weiterzugeben. Dies enthält Definitionen, wer wir sind, was die Welt ist, wohin der Weg geht, was Wahrheit ist. Die säkulare Schule ist misstrauisch gegenüber der Kultur; statt sie zu vermitteln, analysiert und dekonstruiert sie bloss. Das Gebot der Neutralität verbietet klare Positionen. Als christliche Schulen haben wir zwar nicht viel Geld, aber wir haben eine Vision, ein Feuer, einen Auftrag. Das gibt uns Freude an der Vermittlung.

Rahel Kellenberger-Schmid sprach über die Bedeutung von Coaching als Instrument zu Bewältigung von Herausforderungen. Sie ist individualpsychologische und systemische Psychologin und hat seit 2006 in Winterthur eine Praxis für Einzel-, Paar- und Familienberatung sowie für Supervision und Coaching. Anhand einiger Beispiele machte sie deutlich, wie sehr die Probleme am Arbeitsplatz meist mit der eigenen Kindheitsgeschichte zusammenhängen. Sie leitet ihre Klienten dazu an, den Knäuel von Gedanken und Gefühlen angesichts ihres Problems zu entwirren und gestärkt daraus hervor zu gehen. Lehrpersonen haben sehr grosse Herausforderungen, aber auch sehr grosse Möglichkeiten. Um diese nutzen zu können, ist es unerlässlich, dass man sich selbst möglichst gut kennt. Und um sich selbst zu kennen, braucht man ein Gegenüber, dem man vertraut und sich anvertraut.

Im zweiten Teil des Morgens boten die drei Referenten je einen Workshop zu ihrem Thema an. Diese wurden von professionellen Technikern auf Video aufgenommen und werden auf der Website von instruire.ch und von icbs.ch zur Verfügung stehen.

Zum Abschluss des Symposiums dankte ICB-Präsident David Schneider den Partnern der Romandie für die ausgezeichnete Organisation. Er sei auch dankbar für die vorbildliche Familienkultur, die er bei den Romands gespürt habe und von der die Deutschschweizer sich etwas abschneiden könnten. Das Mittagessen mit leckerem Buffet bildete den passenden Übergang zurück in den Alltag. 2019 wird das Symposium wieder nach Sprachen getrennt stattfinden – wobei sich für die Ausgabe in der Deutschschweiz auch andere Orte als Winterthur bewerben können.