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ICB-Weiterbildung für Kitas

«Der Kiosch und sein Gefolge»

65 Erzieherinnen und Erzieher aus neun verschiedenen Kitas, vorwiegend aus Winterthur haben am Mitte September 2019 den Weg an die Weiterbildung der Stiftung SalZH zum Thema «Haus der kleinen Forscher» gefunden.

Der Stiftung «Haus der kleinen Forscher» die grösste Initiative in Deutschland zum Thema MINT und Bildung für nachhaltige Entwicklung vorab im Kleinkindalter, (unterstützt von der Industrie, wie etwa der Siemens-Stiftung und der Stiftung Deutsche Telekom, der Dietmar Hopp-Stiftung (die sich in verschiedenen gemeinnützigen Projekten der Bereiche Medizin, Sport und Soziales und Bildung engagiert) und der Helmholz-Gemeinschaft (deren Aufgabe es ist, Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zur Erhaltung der menschlichen Lebensgrundlage zu erhalten und zu verbessern) und natürlich auch mit staatlicher Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung), gab vorab einen Einblick über die Struktur und Funktionsweise der Stiftung. Die Stiftung versteht sich als beständigen, zuverlässigen Partner für Kitas, Horte und Schulen mit vielfältiger Kooperation, mit hohen Qualitätsansprüchen und fortwährender Weiterentwicklung, die mit engagierten Menschen den Papiertiger zum Leben erweckt.

An dieser Bildungsinitiative nehmen rund 2.6 Mio Kinder in Deutschland teil, es sind 79’000 pädagogische Fachkräfte involviert, 5300 Institutionen sind zertifiziert und rund 600 Trainerinnen entwickeln und bilden laufend weiter. Kurzum das «Haus der kleinen Forscher» ist eine gewaltige Bildungsinitiative in Deutschland.

Vermittler der Ideen, Umsetzer der theoretischen Ansätze sind die sogenannten Trainerinnen, die in ihrem geografischen Gebiet die Kitas für die Initiative begeistern, die anschaulich vorführen, welche Fragestellungen, welcher Input die Kinder motiviert, die immer wieder mit neuen Ideen und neuen Fragestellungen weitere Institutionen überzeugen und diese letztendlich auch im Zweijahresrhythmus zertifizieren.

Soweit die Theorie. Die TeilnehmerInnen scharrten bereits mit den Hufen, als es um den pädagogischen Ansatz ging… sie wurden aufgefordert die kleinen, verschieden farbig markierten Plastikrohre aus der Do-it-yourself-Abteilung in die Hände zu nehmen. Einige klopften in die leere Hand, andere bliesen ins Rohr, es wurde getrommelt… und zu guter Letzt nach Vorgabe und je nach Farbe «musiziert» und siehe da, ein bekanntes Lied ertönte.

Und wie bei kleinen Kinder, bei jugendlichen Entdeckern haben auch die Erwachsenen verschiedene Wege beschritten, je nach ihren persönlichen Erfahrungen und Kenntnissen Schlüsse gezogen, haben miteinander diskutiert, Ideen aufgenommen, weiterentwickelt… genau darum geht es. Das intrinsisch motivierte Kind nimmt Neues auf, verknüpft es mit seinem Wissenstand und entwickelt in der Kommunikation und der Erfahrung weiter. Ganz nebenbei werden Sprachkompetenz gefördert und es geht um gruppendynamische Prozesse und Selbsterfahrung. Die Pädagogen lernen Fragen zu stellen, zu beobachten, zu interpretieren und motivieren.

Ein weiteres Beispiel, dass das forschende Lernen der Kinder zeigt, handelt von einem Fisch, der sich mit der Kaulquappe anfreundet. Diese entwickelt sich weiter, wird zum Frosch, entdeckt die Welt, trifft auf eine Kuh und erzählt dem Fisch, der weiterhin seine Runden im Teich dreht von der Kuh, die er auf der Weide getroffen hat. Diese haben vier Beine, Hörner und rosa Beutel, die die Milch enthielten. Wie stellt sich dann der Fisch mit seinem bis anhin erfahrenen Wissen die Kuh vor?

Bilder – die einen haben den Fisch zu einem «Kiosch» – einer Mischung aus Kuh, Fisch und Frosch «weiterentwickelt», ihm unnütze Beine und Euter angedacht, derweilen anderen den Frosch mit Hörner versehen haben und die Milch in rosa Beuteln, ähnlich den Laichschnüren versorgt wussten. So zeigt es sich, dass der unterschiedliche Wissenstand des Bekannten mit neuem Input ohne Vorgabe oder «richtige Antwort» zu sehr kreativen und spektakulären Ergebnissen führen kann.

Klar wird nach diesem Einstieg auch, dass der beobachtenden, lenkenden Person grösste Wichtigkeit zukommt. Nicht nur, sorgt sie für eine breite Auswahl an erforschbarem Material, vielmehr beobachtet sie und handelt entsprechend. Am Beispiel einer Kita-Gruppe, die im Wald auf einen Steinhaufen trifft, den darin festgesteckten Stecken triumphierend rausreisst, ihn aber auch mit grösstem Aufwand und vereinten Kräfte vor der Rückkehr aus dem Wald nicht wieder reinstecken kann und den ganzen Rückweg darüber nachdenkt, weshalb der Stecken jetzt nicht wieder reingesteckt werden konnte, wird klar, welche immense Themenvielfalt sich dahinter versteckt. Statik, Materialkunde, Geschichte und Kultur, aber auch Biologie und Physik. Nimmt die erziehende Person diese Ideen auf, können daraus Folgearbeiten etwa im Bereich Bauen oder Oberflächenbeschaffenheit von Material erfolgen.

Die Quintessenz dieser Beispiele zeigt auch, dass der Alltag genug erforschenswert ist, dass mit unspektakulärem Alltagmaterial geforscht, entdeckt, getüfelt und kreativ interpretiert werden kann und dass das dem behutsame Beobachten, Lenken und motivieren mindestens so grosse Bedeutung zukommt.

Im Anschluss an den doch eher trockenen Theoriemorgen, folgten fünf thematische Tauchgänge aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Technik, Naturwissenschaften und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Am Beispiel der Technik galt es etwa aus dem vorgegebenen Material etwas herzustellen, was auf einer Schnur balancieren kann. Oder es galt Playmobil-Menschen von A nach B zu transportieren in einer Umgebung, wo der Individualverkehr infolge Ausfalls der Bahn und des Flugverkehrs komplett zusammengebrochen ist. Beispiele aus dem (bekannten) Alltag führten zu einer breiten Lösungspalette.

Fazit: auch wenn die Schweiz im Vergleich zum deutschen «Haus der kleinen Forscher» kein vergleichbares Engagement von Industrie und Staatvorweisen kann, so ist diese Weiterbildung eine einmalige Gelegenheit, die uns anvertrauten Kinder neu anzuleiten und zu selbständig denkenden, fragenden, neugierigen Wesen zu fördern. Notabene zum Wohl der Gesellschaft und damit zum Wohle aller.