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Stoffplan christliche Bildung

Stoffplan christliche Bildung

1. Einleitende Gedanken zur Vermittlung des christlichen Glaubens in unseren Schulen.

  • Der Glaube an den dreieinigen Gott, der uns Menschen als Gegenüber geschaffen hat und sich uns in der Schöpfung, in der Bibel und in der persönlichen Beziehung offenbart, hat einen alle Lebensbereiche durchdringenden Charakter. Deshalb lassen sich im Unterricht Aspekte des christlichen Glaubens in allen Fächern einbringen. Explizit vermitteln wir sie in spezifischen Unterrichts-Gefässen, wie beispielsweise „Leben und Glauben“, „Biblische Geschichte“, „Quellenstunde“, „Schülertreff“.
  • Als Schulen sehen wir uns in einer familien- und gemeindeergänzenden Rolle und vermitteln die Grundlagen des christlichen Glaubens. Wir leiten zu einem lebendigen Glauben an, der sich im Alltag und in Beziehungen bewährt. Dabei stehen die Kenntnis der Bibel als Grundlage des Glaubens, das Einüben christlicher Werte und eine grundlegende Kenntnis der Kirchengeschichte mit ihren herausragenden Vertretern im Zentrum. Auch christliche Traditionen und Ereignisse aus dem Kirchenjahr werden erläutert und wo möglich aktiv erlebbar gemacht.
  • Wir ermutigen unsere SchülerInnen dazu, die Bibel sich selber auszulegen, eigene Erfahrungen in der Beziehung mit Gott zu machen, indem wir geistliche Handlungen wie Gebet oder Segnen vorleben, ohne diese einzufordern. In der Schulgemeinschaft erleben Schüler die Auswirkungen des christlichen Glaubens im Alltag. Stellvertretend dafür seien das Reden über- und untereinander, der Umgang mit Konflikten oder soziale Einsätze genannt.
  • Wir vermitteln auch Grundlagenwissen über andere Religionen. Um Menschen aus anderen Religionen besser verstehen und ihnen respektvoll begegnen zu können, lernen wir die zentralen Elemente und Wertvorstellungen ihres Glaubens und ihrer Kultur kennen.
  • Wir streben nach einer Förderung des eigenständigen Denkens unserer Schüler auch in Glaubensfragen. Wir wollen eine Atmosphäre der Entscheidungsfreiheit und distanzieren uns von manipulativen Handlungen, seelischem Druck auf die Kinder oder emotionalen Abhängigkeiten.
    Schöpfung und Evolution werden als zwei unterschiedliche Modelle zur Entstehung der Welt und des Lebens einander gegenübergestellt. Dabei geht es nicht darum was richtig oder falsch ist. Vielmehr geht es darum zu verstehen welches Model welche Antworten zu geben vermag.

2. Stoffplan Leben und Glauben
Dieser Stoffplan verzichtet auf eine Auflistung von Wissen, das am Ende der Oberstufe abrufbar sein soll, sondern orientiert sich an Handlungsweisen und Erlebnissen, die jeder Schüler erfahren soll. Im Bewusstsein, dass handlungsorientierte Erfahrungen mehr Veränderungspotenzial haben als angelerntes Wissen, werden einige Anregungen für die Umsetzung gegeben.
Der Stoffplan will nicht als umfassende Liste verstanden werden, die abgearbeitet werden muss, sondern als Steinbruch, in dem der Unterrichtende Inspirationen finden soll, um seinen Unterricht lebendig gestalten zu können. Dennoch ist es wohl unabdingbar, dass sich ein Schulteam Gedanken darüber macht, welche Bereiche in welcher Stufe sinnvollerweise behandelt werden sollen, um Überschneidungen zu verhindern. Sicherlich ist auch der Versuch, einen gemeinsamen „Schulkanon“ zu erarbeiten, für ein Team wertvoll und klärend.

3. Als Christ leben heisst…
a) wichtige Grundlagen des christlichen Glaubens zu kennendie Bibel kennen lernen
Beispiele: Entstehung/Überlieferung/Aufbau erzählen, Textsorten/Verfasser nennen, zentrale Stellen aus der Bibel auswendig nacherzählen, Lebensläufe von wichtigen biblischen Personen nacherzählen, wichtigste Punkte aus der Bergpredigt nennen, Höhepunkte aus der Bergpredigt aufzählen, Bedeutung der Offenbarung, auf Jesus bezogene Prophetien kennen, mit Bibellexikon/Konkordanz/Online-Bibeln arbeiten, betendes Lesen, achtsam & langsam lesen, Bibel als Offenbarung Gottes erfahren…
christliche Feste kennen lernen und feiern
Beispiele: Bei Grosseltern nachfragen, wie sie früher als Kinder die Weihnachtszeit oder Osterzeit in der Familie und im Dorf erlebt haben. Weihnachtsbräuche am Ort erforschen und mit Weihnachtsbräuchen in anderen Teilen der Welt vergleichen, selber einen Festablauf entwickeln, um Auffahrt oder Pfingsten zu feiern und eine andere Klasse dazu einladen, Sinn und Ablauf einer jüdischen Bar Mizwah / Bat Mizwah erforschen und mit dem christlichen Pendant vergleichen, Kreis zu den Festen im Jahresablauf zeichnen, den Schatz der biblischen Feste im alten Testament erforschen und mit den Inhalten des neuen Testamentes verknüpfen…
wichtige Ereignisse aus der Kirchengeschichte auflisten können
Beispiele: Christenverfolgung durch die Römer, Konstantinische Wende, Trennung in Ost- und Westkirche, Kreuzzüge, Reformation, Geschichte der Wiedertäufer, Aufsplitterung in Denominationen, Bekennende Kirche vs. Deutsche Kirche, Aufklärung und Säkularisierung, chronologischer Zeitstrahl/Wandfries erstellen, Statistiken zur Entwicklung der Anzahl Christen studieren, der Frage nachgehen, weshalb es verschiedene Denominationen und Strömungen gibt, Evangelisationsgeschichte der Schweiz und Europas (Gallus und Kolumban), Konzil von Nicäa, erste Trennung der Kirche, Wandfries dazu erstellen…
wichtige biblische Personen, ihre Gaben und ihre Geschichte nacherzählen können
Beispiel: Abraham, Moses, David, Salomon, Ruth, Josef, Paulus, Petrus, Gabentest für sich selber durchführen und mit Person aus der Bibel vergleichen: welcher Person bin ich ähnlich? Personen in der Bibel suchen, die wir als Kind schon kennengelernt haben, Darstellung in modernen Bibelfilmen nach biblischer Wahrheit überprüfen…
wichtige Symbole des Christentums interpretieren
Beispiele: Kreuz, Fisch, Taufe, Tabernakel, Brot&Wein (Abendmahl), zerrissener Vorhang im Tempel, Turmbau zu Babel, Gesetzestafeln…
in kulturellen Werken christliche Bezüge erkennen
Beispiele: Musik von Bach, christliche und nichtchristlichen Bands vergleichen, Bilder von Grünewald interpretieren, Texte von Albert Goes und Blaise Pascal, romanische und gotische Kathedrale vergleichen, moderne Kirchenarchitektur untersuchen, zeitgenössische christliche Kunstwerke mit historischen vergleichen…
um unsere Verbundenheit mit dem jüdischen grossen Bruder wissen
Beispiele: Grundzüge des Judentums und unserer Beziehung dazu erforschen, Gottesdienstformen vergleichen, Ursachen/Verlauf und Bedeutung des Holocaust studieren, Medienberichterstattung über Israel studieren, Gottes Wirken in der Geschichte Israels kennen, Tora und Altes Testament vergleichen, Abraham, unser gemeinsamer Glaubensvater…

b) eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen unser Verständnis von Gott klären und weiter entwickeln.
Beispiel: Der Frage nachgehen, weshalb Vater, Sohn und Hl. Geist eins sind, symbolische Darstellungen der Trinität untersuchen, Ikonenmalerei kennenlernen, dem Wesen Gottes in der Bibel nachspüren, Vergebung thematisieren und praktisch einüben, dem Satz nachforschen: „aus Gnade – nicht aus Werken sind wir gerecht gemacht“, verschiedene Namen Gottes gestalterisch interpretieren, der Frage nachgehen, wo Gott wohnt…
Wege kennen, auf denen ich mich Gott nähern kann
Beispiel: Bibel lesen und Notizen machen, Naturerfahrungen in einem Gedicht beschreiben, Meditation in der Stille/mit Musik, Begegnung mit anderen lebenden/historischen Menschen in einem Interview dokumentieren, Gott Lieder singen, ihm danken, auf seine Stimme hören, Naturbeobachtungen notieren, für ein Tier sorgen…
das Wesen der Sünde, ihre Auswirkungen und die Kraft der Vergebung kennen
Beispiel: Den sprachgeschichtlichen Wurzeln des Wortes Sünde nachforschen, der Aussage nachgehen „das Wesen der Sünde ist der Tod“, Ausschnitte aus C.S. Lewis „The Screwtape Letters“ oder „The Great Divorce“ besprechen, die Bedeutung des Kreuzes erforschen, Experiment „Vergebung wagen“ durchführen und dokumentieren, Macht der Vergebung anhand historischem Beispiel Südafrika/Nelson Mandela erforschen, sich konkret gegen Ungerechtigkeit abgrenzen und sich für Gerechtigkeit einsetzen…
sich Zeit für Gott nehmen.
Beispiele: Stille Zeit am Morgen einüben, eine Wallfahrtswanderung zur Täuferhöhle unternehmen, regelmässige Gebets-/Anbetungszeiten zuhause durchführen und darüber berichten, sich Gott ehrlich anvertrauen…
den Sinn von Regeln für ein Leben in Freiheit erkennen
Beispiele: Zehn Gebote studieren, Bergpredigt in die heutige Zeit umsetzen, zentrale Regeln in verschiedenen Religionen vergleichen, 48 Stunden nach den Klosterregeln der Benediktiner leben, sich Regeln zur Selbstdisziplin setzen (dreimal hintereinander um 5 Uhr aufstehen), meine persönlichen verbindlichen Regeln auflisten, Respekt, Gehorsam den Eltern gegenüber, Autoritätskreise (Gott, Gesetz, Polizei,…)…
um die Bedeutung der geistlichen Welt wissen
Beispiel: der Frage nachgehen, was Jesus und die Bibel über die geistliche Welt sagt, Geschichten von der geistlichen Welt studieren…
den Tod nicht fürchten, sondern auf das ewige Leben vertrauen
Beispiele: letzte Abschnitte von Lebensgeschichten mit der Frage studieren „mit welcher Haltung sind diese Menschen gestorben? Unterscheiden sich Christen von Nichtchristen darin?“, Erzählungen lesen von Menschen, die von ihren Himmelserfahrungen berichten (z.B. „Den Himmel gibt’s echt“), Ewigkeitsbegriff untersuchen…

c) sein Selbstverständnis zu klären
verschiedene Entwicklungsphasen des Christenlebens kennen
Beispiele: Entscheidung für ein Leben mit Gott, Taufe, Kommunion, Firmung, Konfirmation, geistlicher Vater/Mutter für andere, Entscheidung, das Wort Gottes als Wahrheit anzunehmen, Jesus als „König“ akzeptieren, den Wert von Glaubenskrisen thematisieren…
in der Freiheit als Kind Gottes leben
Beispiel: die Identität als geliebtes Kind Gottes erforschen, Freiheit von Süchten gewinnen, Freiheit der individuellen Meinung, Entscheidung und selbstbestimmten Handlung einüben, in der Bahnhofunterführung etwas Verrücktes tun (Flashmob), Freude ausdrücken…
achtsam mit dem eigenen Körper umgehen.
Beispiele: Bibelstellen zum Körper suchen, Körper als „Tempel des Heiligen Geistes“ begreifen, achtsamer Umgang mit dem Körper üben, Sportaktion unter diesem Motto planen und durchführen…
Verzicht üben können.
Beispiele: Fastenzeit vor Ostern, Fasten im Ramadan, Fastentage im Judentum (z.B. Yom Kippur), zum Advent einen Vorsatz durchführen, Medien/Süssigkeiten fasten, teilen…
verantwortungsvoll mit Geld umgehen.
Beispiele: Fundraisingprojekt in der Klasse durchführen, Problemfeld „Leben auf Kredit“ untersuchen, Budget erstellen mit Bereich „Zehnter“…
seinen Gaben und seiner Berufung nachgehen
Beispiel: sich gegenseitig die Stärken und Gaben mitteilen, dem Thema „Berufung“ anhand von Lebensläufen nachforschen, eigene Lebensentwürfe planen (Friedhofsbesuch „was soll dereinst auf meinem Grabstein stehen“), welchen Unterschied mache ich mit meinem Leben (wo bin ich „History-maker“), wahrhaftige, ermutigende Feedback-Kultur im Unterricht leben, Berufung als Puzzleteil sehen, der mit den andern zusammen das Ganze gibt…
den Sonntag heiligen
Beispiele: Sabbat-Regeln aus dem Judentum studieren und eigenen „Sonntag für Gott“ planen, einen Sonntag auf übliche Tätigkeiten wie Sport/Gamen/Computer verzichten…

d) gelingende Beziehungen zu den Nächsten einzuüben
den Nächsten lieben wie mich selbst
Beispiel: Vergebung, Annahme, Ehrlichkeit, respektvolle Umgangsformen leben, Lern-Tandems bilden, „wichteln“ in der Adventszeit…
Gastfreundschaft üben, offen auf neue Freunde zugehen
Beispiele: Rollenspiele, jemanden Neuen aus einer jüngeren Klasse zu sich einladen, Schüler aus Partnerschulen zuhause aufnehmen und ein spezielles Programm gestalten…
die Eltern achten
Beispiele: Dankesbrief verfassen, mit besonderem Engagement im Haushalt helfen, wichtige Entscheidungen in ihrem Leben erfragen, über die eigenen Gefühle sprechen…
Freundschaften zum anderen Geschlecht verantwortungsvoll leben
Beispiele: Freundschaften und Sexualität in den Ordnungen Gottes leben, Besonderheiten des anderen Geschlechts herausarbeiten, gemeinsam Richtlinien zum Umgang mit dem anderen Geschlecht erstellen…
von seinem Glauben erzählen können
Beispiel: Die Bedeutung Jesu als Sohn Gottes oder die Dreieinigkeit erläutern, von eigenen Erlebnissen mit Gott erzählen, Rollenspiel durchführen, Videoclip „was ich glaube“ erstellen, sich kreativ zu seinen Werten äussern (als Comic, Tanz, Text)…
Menschen anderen Glaubens offen, respektvoll und selbstbewusst begegnen
Beispiele: Videoumfrage zum Glauben in der Marktgasse, Menschen anderen Glaubens aus der Nachbarschaft einladen, Kindergeschichten aus andern Kulturkreisen hören…
als Teil der grossen christlichen Familie Gemeinschaft pflegen
Beispiele: In einer Zweierschaft Gedanken zu einer Bibelstelle austauschen, ein Feuer mit vielen Hölzern anzünden, gemeinsam mit einer Collage Gott anbeten, konfessionelle Grenzen überwinden und in einen Gottesdienst einer anderen Kirche gehen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede auflisten, zusammen christliche Lieder einüben und (vor-)singen, zusammen ein Fest feiern…

e) Verantwortung für eine lebenswerte Welt zu übernehmen
sich als Verwalter verstehen
Beispiel: die Schöpfung bewahren, über Zusammenhänge und Schönheit in der Natur staunen, praktischer Umweltschutz (Waldgebiet säubern), Recycling (Recyclingstation bauen), Pflanzen säen, pflegen, beobachten, Aquarium besuchen, Hühnereier ausbrüten, Sternwarte besuchen…
historische und zeitgenössische christliche Vorbilder und ihre Leistungen kennen
Beispiele: Johan Amos Comenius, Luther, Zwingli, Calvin, Bonhoeffer, Mutter Theresa, Jackie Pullinger, Nelson Mandela, Niklaus von der Flüh, Maximilian Kolbe, Interview mit geistlichen Leitern in den lokalen Gemeinden führen…
Verschiedene Weltanschauungen kennen und einordnen können
Beispiele: Materialismus (wer am meisten Spielzeug hat, gewinnt) in der Werbung untersuchen, Pluralismus (alles ist gleich viel/wenig wert), Kommunismus (Gott ist tot) und seine geschichtliche Ausprägung studieren, Lesetexte auf Weltanschauung untersuchen…