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Weiterbildungsweekend 2021

Einführungstag für neue Lehrpersonen

20 Lehrerinnen und Lehrer aus sieben ICB-Schulen sind am Freitagmorgen für den Einführungstag für neue Lehrpersonen angereist. Zu den Zielen des Tages gehörte unter anderem die Vermittlung der Geschichte der Christlichen Bildung generell und in der Schweiz. David Schneider startet in seinen Ausführungen bei den Reformatoren Luther und Calvin, welche die Wichtigkeit einer Schulbildung auf biblischer Basis erkannten und forderten. Zur Zeit der Verfolgung der Christen (Hugenotten) in Frankreich bewarb Jean Calvin seine Schulen in Genf mit dem Satz: «Sendet mir Holz und ich werde euch Pfeile zurückschicken.» Nach einer Zeit von christlich geprägten Schulordnungen in der Schweiz im 18. Jahrhundert und der Gründung von christlichen Schulen und Lehrervereinen im 19. Jahrhundert hat die Säkularisierung der Volksschule bis ins 20. Jahrhundert immer mehr zugenommen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts entstanden neue Bewegungen von Christlichen Schulen. Einige der Schulen sind heute im Dachverband ICB zusammengefasst. Im Anschluss an diesen geschichtlichen Exkurs haben sich die Teilnehmenden mit den Leitbildern ihrer eigenen Schulen auseinandergesetzt und deren Kernpunkte den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt.

Am Nachmittag gingen wir der Frage nach, was denn nun christlichen Unterricht ausmacht. Markus Zuberbühler präsentierte einen Überblick der bisher bekannten Forschung und Literatur. Da ist einerseits Luc Bussière, welcher den Unterschied zwischen griechischem und hebräischem Verständnis von Bildung aufzeigte und der Weisheit einen zentralen Platz in Bildung und Erziehung einräumt. Harro van Brummelen hinterliess uns einen kompakten Leitfaden für die Planung und Durchführung unseres Unterrichts. Mittlerweile eine bekannte Grösse auch im deutschsprachigen Raum ist der Engländer David Smith. Er propagiert unter anderem, dass die Nächstenliebe die wichtigste Motivation zum Erlernen einer Fremdsprache sein soll. Immer noch hoch aktuell ist die Arbeit von Daniel Kummer mit seiner christlichen Perspektive auf die Schulfächer der Volksschule und auch Stefan Dudli mit dem Stoffplan für Christliche Schulen als Ergänzung zum geltenden staatlichen Lehrplan. Für den praktischen Teil haben wir drei erfahrene Lehrpersonen eingeladen, die aus ihrem Alltag berichteten und darlegten, wie sie das christliche Welt- und Menschenbild in ihrer Arbeit umsetzen.

Ein wichtiges Ziel des Einführungstages ist auch das gegenseitige Kennenlernen und Knüpfen von Kontakten. Oft ist man als Lehrperson in einer Christlichen Schule die einzige auf seiner Stufe und hat kaum Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen. Dank Veranstaltungen wie dem Weiterbildungswochenende und dem Bildungssymposium im November entstehen wichtige Verbindungen für den Alltag.

Der Berufung auf der Spur

Der Weiterbildungstag startete auch in diesem Jahr schon am Vorabend mit einem gemütlichen Abend. Der Apéro bot Gelegenheit, um das Wiedersehen zu feiern und mit bisher unbekannten Kolleginnen und Kollegen anzustossen. Beim Nachtessen wurden die Gespräche weitergeführt. An allen Tischen berichtete man mit Freude über alles Gelungene und tauschte aber auch über grössere und kleinere Herausforderungen aus. Nach dem Essen trafen sich die einen noch auf der Terrasse und wärmten ihre Hände und Herzen hinter der lodernden Finnenkerze. Andere liessen ihre müden Muskeln und Seelen ins Wellnessbad des Hotels gleiten und legten sich danach tiefenentspannt und zufrieden ins Bett.

Der Samstagvormittag stand unter dem Titel «Wachsen und Reifen in Gottes Berufung». Zu Beginn zeigte uns Peter Höhn auf, dass unsere Berufung dreifältig ist. Wir sind berufen zu einer angstfreien Gottesbeziehung, zum erlösten Menschsein sowie zu einer spezifischen Bestimmung. In Bezug auf die Entdeckung unserer speziellen Berufung bzw. der Berufung der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler gab uns der Referent folgende Fragestellungen mit:

  • Was sind meine Stärken: Was kann ich gut, fällt mir leichter als anderen? Wo bringe ich über längere Zeit eine nahezu perfekte Leistung?
  • Was tue ich aus eigener Initiative – oder habe es früher z. B. in der Freizeit aus eigenem Antrieb gemacht?
  • Was hat ein Team, eine Organisation davon, wenn ich dabei bin?

Peter Höhn ruft und dazu auf, diese Bereiche zu verstärken und auszuweiten und den Heiligen Geist um Führung und Ausrüstung zu bitten. Eine Zusammenfassung dieser Weiterbildung ist quasi zeitgleich in der neusten Ausgabe von «Glaube+Pädagogik» erschienen.

Am Nachmittag stellte uns Monika Hasler von der SalZH den noch laufenden Überarbeitungsprozess ihrer Beurteilungsformen und Zeugnisse vor. Ausgehend von der Frage, was denn die Berufung der Kinder ausmacht, sollen künftig keine Noten mehr gesetzt, sondern mit verständlichen Beschreibungen und auf wertschätzende Art die Persönlichkeit der Schüler und ihre fachlichen und personalen Kompetenzen gewürdigt werden.

In der Tandemschule im Kanton Schaffhausen sind die Noten bereits abgeschafft. Maja Ernst und Esther Heiduschke berichten davon, wie sie in enger Zusammenarbeit mit den Eltern ihre Schülerinnen und Schüler in ihre Berufung führen. Ein Austausch in Gruppen zum Thema Berufung und Beurteilung macht den Abschluss dieses Weiterbildungstages.

Das nächste «Familientreffen» findet am 11./12. November im Rahmen des Bildungssymposiums in Riehen statt. Wir freuen uns schon heute auf das Wiedersehen!